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Rekuperation: Energierückgewinnung beim Fahren

Letzte Aktualisierung: 23.09.2025

Was bedeutet eigentlich Rekuperation im Auto? Wie funktioniert sie bei einem Hybrid, und welche Vorteile bietet das regenerative Bremsen wirklich? Ob du wissen willst, wie dein Fahrzeug beim Bremsen Energie zurückgewinnt oder was sich hinter Rekuperation und Energierückgewinnung genau verbirgt: Wir geben dir die Erklärung.

Was bedeutet Rekuperation und wie funktioniert es?

Rekuperation bedeutet wörtlich 'Rückgewinnung'. Im Kontext von Autos ist damit die Nutzung von Bewegungsenergie gemeint, die beim Bremsen oder Ausrollen normalerweise als Wärme verloren gehen würde. Stattdessen wandelt die Rekuperation diese Energie in elektrische Energie um und speichert sie in der Batterie. Dieses Prinzip erhöht die Effizienz deines Fahrzeugs und wird heute in nahezu allen elektrifizierten Fahrzeugen eingesetzt.

Wie funktioniert die Rekuperation beim Auto?

Im Alltag zeigt sich Rekuperation besonders deutlich, wenn du bei einem Hybrid- oder Elektroauto den Fuß vom Gaspedal nimmst. Das Fahrzeug bremst spürbar stärker ab als ein klassischer Verbrenner. In diesem Moment übernimmt der Elektromotor eine zweite Aufgabe: Er arbeitet als Generator. Die Räder treiben ihn nun an, wodurch er Strom erzeugt.

Ein Inverter wandelt diesen Strom so um, dass er in der Fahrzeugbatterie gespeichert werden kann. Das ist vergleichbar mit einem Dynamo am Fahrrad – sobald du die Energieerzeugung aktivierst, spürst du den Widerstand.

Durch diese Technik wird bei jeder Verzögerung, egal ob durchs Ausrollen oder leichtes Bremsen, ein Teil der sonst verlorenen Energie zurückgewonnen. Bei einer starken Bremsung stößt die Rekuperation jedoch an ihre Grenzen, und die klassische mechanische Bremse springt ein.

Wie läuft Rekuperation in verschiedenen Fahrzeugtypen ab?

Die verschiedenen Hybrid-Arten nutzen Rekuperation unterschiedlich intensiv:

Bei Mild-Hybriden (MHEV) ist die Rekuperation begrenzt, da das 48-Volt-System nur kleine Energiemengen zurückgewinnen kann. Die gewonnene Energie unterstützt hauptsächlich den Verbrennungsmotor beim Anfahren und reduziert den Kraftstoffverbrauch um etwa 10-15%.

In einem reinen Elektroauto (EV) dient die Rekuperation dazu, die Batterie direkt aufzuladen – allerdings ersetzt das nicht das herkömmliche Laden mit einem Stecker an einer Ladesäule oder der Wallbox.

Bei Vollhybriden (HEV) wird die elektrische Energie für den Hybridantrieb ausschließlich über Rekuperation erzeugt, weil es keinen externen Ladeanschluss gibt. Das bedeutet: Immer wenn das Auto verzögert oder einen Berg hinunterrollt, füllt sich die Batterie ein Stück weiter.

Plug-in-Hybride (PHEV) wiederum setzen auf eine Kombination. Sie nutzen Rekuperation genauso wie klassische Hybride, können aber zusätzlich – und meist in größerem Umfang – über das Stromnetz 'aufgetankt' werden.

Ein entscheidender Unterschied ist oft die Feinabstimmung des Bremsgefühls und der Leistungsabgabe: Je nach Modell ist das Ausmaß der Rekuperation über Fahrmodi oder Einstellmöglichkeiten anpassbar. So kannst du ein eher 'segelndes' oder ein sehr stark verzögerndes Fahrverhalten wählen. Die eigentliche Energierückgewinnung hingegen läuft technisch in allen Systemen nach demselben Generator-Prinzip ab.

Schau dir auch unseren Artikel über den Unterschied zwischen Vollhybrid und Plug-in-Hybrid an. Lies unseren Artikel 'Hybrid oder Elektro', wenn du noch zwischen den beiden Motorisierungen zweifelst.

Vorteile der Rekuperation

Peugeot 3008 PHEV

Den größten Vorteil spürt man beim Verbrauch. Da die Bewegungsenergie nicht sofort verloren geht, sondern teilweise wieder im Akku landet, steigt die Reichweite eines Elektroautos. Typischerweise lassen sich im Alltag rund 20 Prozent Energie einsparen.

Auch der Verschleiß der mechanischen Bremsen sinkt, denn der Bremseffekt durch Rekuperation reduziert die Beanspruchung der Bremsbeläge. Das heißt: Weniger Wartung und geringere Kosten.

Ein umweltfreundlicher Nebeneffekt ist die geringere Feinstaubbelastung, weil durch den geringen Verschleiß weniger Bremsstaub entsteht. Wie sich das in Zahlen auswirkt, erklären wir dir im Überblick zum Stromverbrauch beim Hybrid.

Grenzen und Einschränkungen

Rekuperation ist clever, hat aber auch ihre natürlichen Grenzen.

Der Wirkungsgrad der Energierückgewinnung liegt je nach System meist zwischen 60 und 70 Prozent – ein Teil der Energie verschwindet immer durch Reibung und Umwandlungsverluste. Ist der Akku voll oder stark abgekühlt, kann keine oder kaum Rekuperation stattfinden. Gerade bei Notbremsungen oder steilen Bergabfahrten wird die elektrische Rückgewinnung rasch überfordert, und die mechanische Bremse übernimmt komplett.

Für Neueinsteiger mag das verzögerte Fahrgefühl ungewohnt sein, doch in vielen Autos lässt sich die Stärke der Rekuperation individuell einstellen und anpassen. So findest du im Alltag rasch das richtige Maß für deinen Fahrstil.

Ein Mann sitzt hinter dem Steuer eines Volvo.

Rekuperation im Fahralltag – Fahrgefühl & Umstellung für Neulinge

Im Alltag sorgt Rekuperation nicht nur für Effizienz, sondern verändert auch das Fahrgefühl spürbar. Gerade wer vom klassischen Verbrennerauto umsteigt, ist zunächst oft überrascht: Lässt du das Gaspedal los, verzögert das Auto sofort – so stark, dass es sich manchmal anfühlt, als würdest du bremsen, ohne das Bremspedal zu berühren. Dieses neue Fahrverhalten ist gewöhnungsbedürftig, bringt aber einige Vorteile.

Viele Fahrzeuge bieten sogenannte Rekuperationsstufen. Damit kannst du über das Bordmenü oder, je nach Modell, direkt über Schaltwippen am Lenkrad einstellen, wie stark die Energierückgewinnung ablaufen soll. Die Umstellung fällt leichter, wenn du verschiedene Stufen probierst und so das richtige Maß für dich findest. Typisch ist, dass du nach etwas Übung sogar im Stadtverkehr fast nur noch mit dem Gaspedal fährst – das klassische Bremspedal brauchst du kaum. Für viele E-Auto-Fahrer wird dieser One-Pedal-Driving-Stil schnell zum neuen Normal.

One-Pedal-Driving: Was steckt dahinter?

Beim One-Pedal-Driving (OPD) reicht es, einfach nur den Fuß vom Strompedal zu nehmen, um fast bis zum vollständigen Stillstand zu bremsen. Das Auto rekuperiert dann maximal – das bedeutet, es gewinnt so viel Energie wie möglich zurück. Im Unterschied dazu wird das Bremspedal erst für Notfälle oder sehr starke Verzögerungen benötigt. OPD ist gerade im Stadtverkehr nicht nur angenehm, sondern auch sehr effizient, da du kaum Energie verschwendest.

Rekuperation & Effizienz – "Coasting" vs. Bremsen

Ein spannender Alltagsaspekt ist die Effizienzfrage: Ist es besser, weit auszurollen, oder direkt zu rekuperieren? Die Antwort: Immer dann, wenn du absehbar nicht schneller werden musst, ist Ausrollen („Coasting“) am effizientesten. Dabei wirken nur Roll- und Luftwiderstand – Umwandlungsverluste gibt es hier keine. Muss jedoch abgebremst werden, bringt dir kontrollierte Rekuperation Vorteile, denn so wird zumindest ein Teil der Energie gespeichert. Die Kunst ist also der vorausschauende Fahrstil: So rollst du möglichst lang und rekuperierst nur dann, wenn es wirklich Sinn macht.

Häufig gestellte Fragen

Rekuperation bedeutet Energierückgewinnung beim Bremsen oder Ausrollen. Der Elektromotor arbeitet dabei als Generator und wandelt die Bewegungsenergie des Fahrzeugs in elektrische Energie um, die in der Batterie gespeichert wird. Dies geschieht automatisch beim Gaswegnehmen oder Bremsen und erhöht die Effizienz des Hybridsystems erheblich.
Bei den meisten Hybriden und Elektroautos lässt sich die Rekuperationsstärke in mehreren Stufen einstellen - von schwach bis stark. Komplett abschalten kann man sie meist nicht, da sie ein wichtiger Bestandteil des Bremssystems ist. Über Paddles am Lenkrad oder Menüeinstellungen kannst du die Intensität an deinen Fahrstil anpassen.
Der Sweet Spot liegt meist bei etwa 10-20% Gaspedalstellung - dort wo das Auto weder beschleunigt noch rekuperiert, sondern einfach rollt. Viele Hybride haben eine Eco-Anzeige im Display, die dir den optimalen Bereich anzeigt. Mit etwas Übung entwickelst du ein Gefühl für die neutrale Pedalposition, bei der das Auto am effizientesten segelt.
Nein, bei vollem Akku funktioniert die Rekuperation nur eingeschränkt oder gar nicht, da keine Energie mehr gespeichert werden kann. Das Auto bremst dann hauptsächlich über die mechanischen Bremsen. Deshalb ist es bei Bergabfahrten mit vollem Akku ratsam, vorher etwas elektrisch zu fahren, um Platz in der Batterie zu schaffen.
Manuelles Schalten bei Hybriden ermöglicht es, die Motorbremswirkung und Rekuperation gezielter zu nutzen. In niedrigeren Gängen wird mehr rekuperiert, was besonders bei Bergabfahrten oder im Stadtverkehr effizient ist. Zudem kannst du den Verbrennungsmotor in seinem optimalen Drehzahlbereich halten und das Zusammenspiel der beiden Motoren besser kontrollieren.
Ja, die Batterie lädt im Stau auf verschiedene Weise: Durch Rekuperation beim häufigen Anhalten, durch den Verbrennungsmotor wenn er läuft, und bei Plug-in-Hybriden teilweise auch durch intelligentes Energiemanagement. Viele Hybride nutzen Stau-Situationen sogar optimal aus, da der Elektromotor bei niedrigen Geschwindigkeiten besonders effizient arbeitet.

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